10 Trendbegriffe der digitalen Landwirtschaft erklärt

Was soll das eigentlich sein? – Wir klären 10 Kernbegriffe der digitalen Landwirtschaft auf.


Die Digitalisierung ist in vielen Branchen schon lange kein Fremdwort mehr. Die Trends und Begriffe, die dort seit Längerem diskutiert werden, schwappen nun mit neuen digitalen Lösungen für die Landwirtschaft auch in unsere Branche über. Um den Begriffsdschungel etwas zu lichten, haben wir 10 häufig verwendete Begriffe in diesem Beitrag erklärt.

1) Landwirtschaft 4.0

Der Begriff Landwirtschaft 4.0 wird oft verwendet, um die digitale Revolution auf landwirtschaftlichen Betrieben im Ackerbau aber auch in der Tierhaltung zu beschreiben. Landwirtschaft 4.0 meint somit nichts anderes als die Digitalisierung von landwirtschaftlichen Produktionsprozessen. Dazu gehören u.a. auch die Automatisierung von Arbeitsabläufen, der Einsatz von Robotern und Sensorik, sowie auch der Einsatz mobiler Geräte wie z.B. Smartphone oder Tablet zur Kontrolle von Betriebsabläufen. Im englischsprachigen Raum werden synonym die Begriffe Smart Farming, Digital Farming oder auch e-Farming gebraucht.

2) Precision Farming  und  3) Precision Livestock Farming

Frei ins Deutsche übersetzt ist die ‚Präzisionslandwirtschaft‘ der Ausdruck für zielgerichtete landwirtschaftliche Maßnahmen, egal ob auf dem Acker (der Ursprung des Begriffs Precision Farming) oder in der Tierhaltung (Precision Livestock Farming). Auf dem Feld bedeutet das vor allem den Einsatz sensor- und GPS-gesteuerter Technik z.B. zur Düngerausbringung. In der Tierhaltung hingegen sollen innovative Technologien die Prozessüberwachung und –kontrolle sowie die Tierbetreuung in Zukunft noch effizienter gestalten, um selbst in wachsenden Tierbeständen ein Einzeltiermonitoring zu ermöglichen.

4) Big Data

Sensoren, GPS, Computer, Smartphones – die Technologie, mit der wir inzwischen Daten sammeln, dokumentieren und auswerten wir immer vielfältiger und was dabei ensteht ist klar: Daten – und zwar irgendwann so viele, dass man mit bloßem Auge oder einfachen Datenverarbeitungstechniken nicht mehr Herr dieser Daten wird oder sinnvolle Auswertungen ableiten kann. Das nennt man Big Data. Das Potential, was in diesen Daten steckt ist enorm groß. Wenn sie richtig verknüpft und zu sinnvollen Auswertungen zusammengefasst werden unterstützen sie dem Entscheider bei seinen täglichen Aufgaben. In der Landwirtschaft sind zwar bereits die Möglichkeiten zur Ansammlung von Big Data da, jedoch passiert das noch nicht auf jedem Betrieb und die Vernetzung zwischen datensammelnden Systemen ist bisher auch noch unzureichend (Einen Artikel über mögliche Sorgen und Probleme zu diesem Thema finden Sie hier).

5) Cloud

Die Cloud, zu deutsch ‚Wolke‘, bezeichnet einen Speicherplatz, der über das Internet erreicht werden und somit als Datenwolke umschrieben werden kann. Man kann somit an Daten oder auch ganzen Programmen arbeiten, ohne sie zwingend auf dem eigenen Gerät installieren zu müssen. Zugleich kann man ortsunabhängig meist auch von verschiedenen Gerätetypen auf die Daten zugreifen. In der Landwirtschaft wird das vor allem angewendet, wenn der Landwirt nicht nur im Stall, sondern auch im Büro, auf dem Acker oder anderswo auf seine Daten zugreifen können soll.

6) IoT

IoT ist die Abkürzung für ‚Internet of Things‘, also das ‚Internet der Dinge‘. Im Grunde ist IoT ein Sammelbegriff für alle Technologien, die über das Internet Technologien und Dinge, z.B. Sensorik, miteinander verbinden und damit die Kommunikation der Dinge mit dem Mensch und untereinander erlauben. Feldroboter, Drohnen und fahrerlose Traktoren nutzen zum Teil bereits diesen Trend.

7) Blockchain

Die Blockchain-Technologie beschäftigt sich mit der Optimierung von Prozessen und ganzen Wertschöpfungsketten über mehrere Akteure hinweg, insbesondere in Sachen Datensicherheit. Eine Blockchain, also eine ‚Block-Kette‘ setzt sich aus mehreren verbundenen Blöcken zusammen. Diese Blöcke enthalten Daten, die in diesem Block mit einem Zeitstempel, einem Code des vorherigen Blocks und anderen Transaktionsdaten gesichert sind. Das steigert die Transaktionssicherheit von Daten sowie die Transparenz und Rückverfolgbarkeit. Das schafft vor allem Vertrauen zwischen den Akteuren die Daten austauschen und die Anfälligkeit für Datenmanipulationen ist deutlich geringer. Die Anwendung für die Landwirtschaft steckt im deutschsprachigen Raum großteils noch in den Kinderschuhen, ist aber in Zeiten zunehmender Vernetzung entlang der Lebensmittelerzeugungskette eine Methode, von der wir noch öfter hören werden.

8) ISOBUS

Der ISOBUS ist eine spezielle Form des Datenbusses und somit ein System zur Datenübertragung zwischen verschiedenen Teilnehmern über einen gemeinsamen, im Fall des ISOBUS sogar genormten, Übertragungsweges. Er bezieht sich auf die Norm ISO 11783, die für landtechnische und kommunaltechnische Anwendungen bestimmte Eigenschaften von Netzwerken, Steckern und Leitungen, Datenformaten, Schnittstellen usw. festlegt. Das vereinfacht die Vernetzung zwischen verschiedenen Einzelsystemen, erspart einem beim Einbau neuer Technik den Kabelsalat verschiedenster unterschiedlicher Kabel und zu guter letzt fördert es auch die einfache Bedienung (Mehr dazu hier).

9) Maschinelles Lernen

Das Machine Learning oder auch maschinelle Lernen ist teil der Begriffswelt der künstlichen Intelligenz (-KI oder Artifical Intelligence – AI). Ein künstliches System lernt dabei aus gesammelten Daten, Beispielen etc., in dem es nach Mustern sowie wiederkehrenden Strukturen sucht, aus denen sich Gesetzmäßigkeiten formen lassen. Mit der Vernetzung der Daten eines Betriebes über mehrere Jahre können Algorithmen des Maschinellen Lernens so trainiert werden, dass damit die Erfolgsfaktoren des Betriebes erkennbar werden und so dem Landwirt helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Des Weiteren können die Algorithmen auch eingesetzt werden, um z.B. Pflanzenkrankheiten, Unkraut oder Schädlinge zu erkennen.

10) RFID

RFID ist die Abkürzung für ‚radio-frequency identification‘, sprich Identifikation mittels Funksignalen in Sender-Empfänger-Systemen. Das bedeutet das System besteht immer aus mindestens einem RFID Chip, der z.B. in einem Kuhhalsband stecken kann und eine Identifikationsnummer trägt und einem Auslesegerät, dass sich z.B. am Melkkarussel befindet. Laut top agrar sind bei Landwirtschaft und Haustieren etwa 45 Mio. RFID-Chips im Einsatz. Der große praktische Vorteil der RFID-Technologie liegt dabei vor allem in der winzigen Größe der Chips und darin, dass sie meist keine eigene Stromversorgung benötigen – so sind RFID-Chips z.B. auch in neueren Personalausweisen enthalten.


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Quellen und weiterführende Beiträge:

DBV: Positionspapier Landwirtschaft 4.0 – Eilbote: RFID in der LandwirtschaftElektronik Praxis: IoT im Stall und auf dem AckerLWK Niedersachsen: Cloud Computing – LWK NRW – Vorteile des ISOBUSMonitor.at: Blockchain für die Landwirtschaft –  top agrar: Chancen und Risiken von Landwirtschaft 4.0 – Wikipedia: Precision FarmingWikipedia: Smart Farming – Zeit online: Daten in der Landwirtschaft