Wo steht die Digitalisierung in der Landwirtschaft?

Welche digitalen Systeme gibt es aktuell, welche Chancen und Aufgaben bestehen für die Zukunft und wie denken unsere Digitalisierer über die Potentiale digitaler Landwirtschaft?


Hinter dem Zukunftstrend digitale Landwirtschaft verbirgt sich vor allem ein großer Begriff: Smart bzw. Precision Farming. Hiermit werden vor allem Prozesse und Lösungen angesprochen, die sich mit Daten beschäftigen, oft auch internetbasiert sind und zum Ziel haben, landwirtschaftliche Verfahren zu messen, zu steuern und zu optimieren.

In einer Bitkom-Umfrage aus dem Jahr 2016 gaben 53% der Landwirte an, dass sie bereits digitale Anwendungen nutzen. Bei 24% stand diese Investition zur Diskussion, bei 6% war sie sogar schon geplant. Bei lediglich 16% ist die Digitalisierung bis dato kein Thema gewesen.

Die digitalen Technologien in der Tier- und Pflanzenproduktion sind vielfältig. Sie reichen von technischer Hardware wie Satelliten bzw. GPS, Drohnen, Robotik und Sensoren bis hin zu Software, die darauf aufbaut, wie Apps oder Online-Plattformen. Laut Bitkom sind Apps dabei die meist genutzte Software, gefolgt von „intelligenter Software“ (z.B. verbaut in Landmaschinen zur Fahrassistenz) und Farmmanagement-Plattformen. In der Hardware sind hauptsächlich Hightech-Landmaschinen und Fütterungsautomaten im Einsatz. Robotik und Drohnen werden nur vereinzelt genutzt. In der Tierproduktion entscheidet sich allerdings bereits jeder zweite Landwirt bei einer Neuinvestition für ein Automatisches Melksystem.

Nachfolgend einige Beispiele von aktuellen digitalen Technologien:

Pflanzenbau

  • Dosierte Ausbringung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln mit schlaggerechter Teilbreitenschaltung oder mit Hilfe von Bilderkennungssoftware
  • Ausbringung von Nützlingen mit Drohnen
  • Autonomes Fahren, Lenkhilfen, Spurführung und geschwindigkeitsabhängige Volumenstromregelung
  • Aufspüren von Tieren in Mahd mit Infrarot- oder Farbkameras
  • Dokumentation und Auswertung der Ernte sowie Lagerüberwachung
  • Vorhersage-/ Prognosemodell für Ernte/ Krankheiten uvm.

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Tierhaltung

  • Fütterungs- und Melkroboter
  • Entmistung
  • Sensoren in Klimasystemen
  • Sensorgestützte Tierüberwachung z.B. zu Futteraufnahme und Körperkondition
  • Genomische Zuchtwertschätzung für bessere Anpaarungsstrategien
  • Autonomes Fahren (z.B. Futtermischwagen)

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Betriebswirtschaft

  • Flottenmanagement von Landmaschinen etc.
  • Arbeitszeiterfassungen
  • Standortunabhängige Dokumentation
  • Einhaltung rechtlicher Vorgaben

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Vernetzung als große Zukunftsaufgabe

Sowohl in der Pflanzenproduktion, als auch in der Tierproduktion steht die Entwicklung von Verknüpfungen dieser Technologien untereinander und mit weiteren Systemen (bspw. dem Wetterdienst) weiterhin auf der Agenda der Agrarunternehmen. Das Datenmanagement, sprich Datenaufnahme/- sammlung und anschließende Auswertung, ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Neue Technologien, wie der Big Data Ansatz sind dafür unerlässlich. Alles mit dem Ziel, dem Anwender, den Landwirten bestmögliche Entscheidungsgrundlagen und Unterstützung im Arbeitsalltag zu bieten.

Die Chancen der Digitalisierung

… liegen daher vor allem in der Verbesserung der Arbeitsqualität, des Arbeitsschutzes und der Arbeitserleichterung.  Monotone und belastende Routinearbeiten übernimmt ein Roboter oder eine andere Technologie. Dadurch werden auch die Arbeitszeiten und der Arbeitsort flexibler. Im Bestfall, lassen sich nicht nur Präzision und Tierwohl steigern, sondern durch den optimierten Ressourcen-/Betriebsmitteleinsatz auch die Umwelt schonen. Mit Hilfe entsprechender Managementsysteme können zudem die Betriebsabläufe effizienter gestaltet, besser überwacht und damit auch z.B. die Kosteneffizienz verbessert werden.

Stimmen unserer Netzwerkpartner:

Lesen Sie hier, was vier unserer Netzwerkpartner über die Potentiale digitaler Landwirtschaft denken:

 

„Die moderne Landwirtschaft ist steigenden Qualtitätsanforderungen, zunehmendem Preisdruck, internationaler Konkurrenz sowie hohen Erwartungen im Umwelt- und Tierschutz ausgesetzt. Der Einsatz von datengetriebenen Lösungen, das Monitoring von (Echtzeit-)Daten und das damit verbundene rasche Handeln im Ernstfall erlauben eine ernstzunehmende Steigerung der Ressourceneffizienz und liefern dem Landwirt das Rüstzeug, um den oben genannten Herausforderungen erfolgreich entgegenzutreten.“ Smartbow

 

„Wir sind davon überzeugt, dass technische Helferlein in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Einzelne und idealerweise vernetzte Sensorik-Lösungen werden Ineffizienzen sichtbar machen und den Mensch im Mittelpunkt befähigen, bessere Entscheidungen zu treffen.“ – dropnostix

 

„In Zukunft wird es einfacher sein, gesetzliche Rahmenbedingungen und Dokumentationspflichten einzuhalten. Durch die intelligente Verknüpfung unterschiedlicher Daten erhalten Landwirte intuitive Lösungen, um Arbeitsabläufe im Betrieb zu verbessern.“xarvio

 

Landwirte, die sich mit den Möglichkeiten vom Internet, Entrepreneurship und dem digitalen Wandel beschäftigen, werden tolle neue Geschäftszweige umsetzen. Diese können mit wenig Kapital und viel Herzblut Stück für Stück aufgebaut werden. Dazu braucht es aber alles andere als ein typisches Startup-Denken (viel fremdes Geld und schnelles Wachstum). Vielmehr geht es um smartes Handeln und darum, Komponenten geschickt einzusetzen. Landwirte sollen sich mit dem Begriff Solopreneur auseinandersetzen und für sich prüfen, ob sie genug Herzblut haben, um zum Beispiel ein smartes Experten oder Erlebnis-Modell umzusetzen.“ – Christian vom Podcast Kuhverstand

 

Fazit & Ausblick

Wie sich die Landwirtschaft der digitalen Lösungen weiterentwickelt bleibt abzuwarten. Chancen und Risiken müssen für den eigenen Betrieb abgewogen werden und die richtige Lösung gefunden werden, die nicht überfordert, sondern vor allem unterstützt. Dabei sind nicht nur die Digitalisierer gefragt, sondern auch Sie als Anwender, denn Sie bestimmen mit, was für Ihren Arbeitsalltag heute und in Zukunft sinnvoll ist – denken Sie daran: Die Zukunft der Landwirtschaft beginnt schon heute und Sie sind ein Teil davon.


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Quellen und weiterführende Beiträge:

Bitkom – Umfrage: Digitalisierung der Landwirtschaft  –  Bioökonomie – Digitale Landwirtschaft, IT für Acker und Stall  – BMEL – Digitalpolitik – BMEL – Landwirtschaft verstehen – vbw Bayern – Digitalisierung in Land- und Ernährungswirtschaft