Die Digitalisierungs-Sorgen der Landwirte

Welche Sorgen treiben Landwirte um und was wird dagegen unternommen?


Während Chancen und Potentiale digitaler Lösungen eine spannende, effizientere und ökonomisch rentablere Zukunft verheißen, stehen dem entgegen auch die Aufwände, die die Einführung digitaler Lösungen mit sich bringen. „Was der Bauer nicht kennt, dass…“ führt er auf seinem Betrieb nicht ein? – Weit gefehlt, denn laut einer Bitkom-Umfrage vom November 2016 ist ein Großteil der Landwirte der Digitalisierung grundsätzlich positiv gegenüber eingestellt. 66% der Landwirte gaben an, eine Chance in der Digitalisierung zu sehen. 19% empfanden, dass diese keinen Einfluss nimmt und nur 13% sahen vordergründig ein Risiko.

Doch beleuchten wir die Sorgen rund um die Digitalisierung in der Landwirtschaft etwas genauer:

Hohe Investitionskosten

Aus Sicht der Landwirte liegt in der Bitkom-Umfrage das größte Hemmnis in den hohen Investitionskosten. Hauptsächlich in Großbetrieben werden solche hohe Investitionen als wirtschaftlich angesehen. Für kleinere Betriebe sind einige digitale Investitionen zwar möglich, jedoch dauert hier die Amortisation deutlich länger. Der sich damit andeutende Wettbewerbsnachteil kleinerer Betriebe fördert zusätzlich den Strukturwandel – kleine Betriebe verschwinden und Großbetriebe werden größer. Aus Sorgen um Investitionskosten werden damit schnell auch Existenzängste. Das hat auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erkannt und möchte daher mit einem Zukunftsprogramm die Hindernisse für kleine bis mittlere Betriebe abbauen (Mehr dazu hier). Für Landmaschinen ist zudem für kleinere Betriebe der Einstieg über Maschinenringe und Lohnunternehmen der Einstieg in neue Technologien möglich, ohne komplett selbst zu investieren.

Sorge um IT- und Datensicherheit

Eine begründete Sorge drehen sich weiterhin um technische Störungen und den Datenschutz. Der Ausfall eines Melk- oder Fütterungsroboters oder einer defekten Erntemaschine beispielsweise kann den Produktionsprozess maßgeblich behindern und schwerwiegende Schäden verursachen. Geeignete Sicherheitsmaßnahmen von Herstellern sind dabei unerlässlich. Doch auch die Landwirte sind gefragt – hier helfen z.B. regelmäßige Datensicherungen sowie aktuelle Software insbesondere im Bereich Virenprogramme. Zudem sollte die Datensicherheit auch entsprechenden Gesetzten unterliegen, sodass die Datenhoheit stets beim Landwirt liegt. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist ein erster Schritt in diese Richtung, denn hier steht der Schutz personenbezogener Daten im Vordergrund (einen Überblick über die DSGVO für Landwirte gibt es z.B. im fodjan Blog und bei BWagrar).

Unzureichende Internetversorgung

Das derzeit größte Problem der landwirtschaftlichen Digitalisierung ist der lückenhafte Netzausbau. Vor allem den dörflichen Regionen fehlt es an durchgängiger und leistungsstarker Datenübertragung. Auf dieser bauen jedoch internetbasierte und vernetzte Lösungen auf. Insbesondere, wenn eine einheitliche Datenbasis flexibel nutzbar sein soll zwischen verschiedenen Personen, an verschiedenen Orten und mit verschiedenen Geräten, ist die Datenübertragung unerlässlich. Somit stehen in diesem Punkt nicht nur die Landwirte der Digitalisierung kritisch gegenüber, sondern auch die Digitalisierer.

Mangelnde Vernetzung, große Abhängigkeit

Um die besten Lösungen für einzelne Verbesserungen zu finden, sind Landwirte aktuell gezwungen auch von verschiedenen Herstellern zu kaufen. Auch weil, aktuell die digitale Landschaft im Agrarbereich aus vielen einzelnen Insellösungen besteht. Diese sind zwar bemüht, Schnittstellen zu schaffen und sich zu vernetzen, doch insgesamt mangelt es noch an der Kommunikation verschiedener Systeme untereinander. Komplettanbieter gibt es zwar bereits, jedoch sind diese Systeme zum Teil wiederum nicht mit anderen kompatibel, sollte man sich doch mal für einen anderen zusätzlichen Anbieter entscheiden. Das erschwert die Investitionsentscheidungen auf den Betrieben ungemein. Damit wächst auch die Angst zu sehr in Abhängigkeit von einem Hersteller zu geraten.

Der gläserne Landwirt

80% der Befragten in der Bitkom-Umfrage stimmten der Aussage zu, dass durch die Digitalisierung die landwirtschaftliche Produktion mit all ihren Facetten »gläsern« wird. Die Produktion kann mittels neuer Technologien der ganzen Wertschöpfungskette entlang bis zum Verbraucher nachvollziehbar werden – das fördert zwar das Verständnis von Verbrauchern und ihr Engagement für nachhaltigere Landwirtschaft, gleichzeitig werden aber insbesondere auch Landwirte viel mehr in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt, in ihrer Arbeit hinterfragt und das mehr als viele andere Berufsgruppen. Gefühle von unrechtmäßiger Bevormundung, realitätsfernen neuen Bestimmungen und Gesetzen und andere Sorgen machen sich breit. Auch hier ist also der Austausch wichtig, um Folgen dieser stärkeren Vernetzung einschätzen und mitgestalten zu können. Viele Landwirte gehen hier schon mit gutem Beispiel voran, engagieren sich in Aktionen wie dem Dialog Milch, in Videokanälen wie MyKuhTube, Blogs wie z.B. dem von Bauer Willi und in den sozialen Medien wie z.B. Ingmar Jaschok von Hofhuhn, um die Kommunikation zwischen Landwirten zu stärken, Meinungen zu teilen und Verbraucher hinter die Kulissen schauen zu lassen.

Fazit und Ausblick

So viele Vorteile die Digitalisierung in der Landwirtschaft mit sich bringt, sie setzt auch ein großes Umdenken voraus. Der Arbeitsplatz der Landwirte ändert sich. Laut BMEL steigt die Büroarbeitszeit um ca. 20 %, die Arbeit für Tierhalter im Stall sinkt dafür um ca. 35%. Nach Einschätzung von Wissenschaftlern werden in den nächsten 20 Jahren 42% der aktuell bestehenden Arbeitsplätze digitalisiert. Traditionelles Wissen und Erfahrungen werden teilweise durch Algorithmen ersetzt. Dieser Umschwung erschwert teilweise auch die Zusammenarbeit zwischen Generationen und birgt Konfliktpotential.

Allerdings ergeben sich auch neue Beschäftigungsfelder und im Bestfall bessere Arbeitsbedingungen. Doch: Selbst ist der Landwirt – Fort- und Weiterbildungen werden dabei immer wichtiger und bereiten auf die kommenden Herausforderungen der digitalisierten Landwirtschaft vor. Es gibt viel zu tun, um diese Zukunft zu meistern und sowohl Hersteller als auch Politik, Verbraucher und natürlich Landwirte sind gefragt, Herausforderungen aktiv zu begegnen und sie gemeinsam zu lösen.


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Quellen und weiterführende Beiträge:

Bitkom – Umfrage: Digitalisierung der Landwirtschaft  – BMEL – Digitalpolitik – BMEL – Landwirtschaft verstehenDatenschutzgrundverordnung – DBV: Positionspapier Landwirtschaft 4.0 – top agrar: Chancen und Risiken von Landwirtschaft 4.0